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Hast du uns endlich gefunden von Edgar Selge

von Steffi Becker       Der bekannte und beliebte Schauspieler Edgar Selge hat sein erstes Buch geschrieben. Inzwischen 73 Jahre alt, hat er eine Erzählung seiner Kindheit und Jugend verfasst. Es lohnt sich, seine Geschichte zu lesen, denn sie ist speziell und manchmal eigentümlich. Der ungefähr zwölfjährige Edgar beschreibt sein Elternhaus in den 50er Jahren in vielen Einzelheiten häufig witzig, oft aber auch mit großem Ernst und großer Traurigkeit. Für Leserinnen und Leser wird die Atmosphäre von damals spürbar. Darüber hinaus beschreibt der Autor seine Eltern und ihre Generation, die dem Nationalsozialismus anhing und der es nach Kriegsende so schwerfiel, ihre Schuld einzugestehen. Dass Selge es schafft, dies klar und deutlich zu benennen und dennoch seine Liebe zu den Eltern spürbar werden zu lassen, macht sein Buch so besonders.

Schon zu Beginn ereignet sich Ungewöhnliches, denn Edgar Selge war Sohn des Direktors der Jugendstrafanstalt von Herford, privat ein begeisterter Pianist. Regelmäßig finden im Hause Selge Konzerte statt, zu denen Soloviolinisten gebeten werden und bei denen das Publikum aus den Insassen der Strafanstalt besteht. Das Musikprogramm eines Abends wird detailliert geschildert, kurz unterbrochen von Beschreibungen einzelner Zuhörer aus dem Publikum und ihrer jeweiligen Straftaten, die sie verbrochen haben.

Der Roman umfasst mehrere Jahre, bis Selge als Student schon nicht mehr bei den Eltern lebt. Es geht um die Mutter, den Vater und ihre Beziehung zueinander, sowie seine vier Brüder. Und es geht um Selges Entwicklungsprozess und Erwachsenwerden, das Abnabeln von den Eltern, als er sich beispielsweise immer wieder nachts davonschleicht, um heimlich ins Kino zu gehen.

Ein „Memoir“, ähnlich wie die Bücher von Joachim Meyerhoff, in einem ganz eigenen Ton und mit einer besonderen und lesenswerten Geschichte.

 

Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783498001223
Kategorie: Erinnerungen