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Die Enkelin von Bernhard Schlink

von Britta Maschek        Mitte der Sechziger Jahre ist Birgit zu Kaspar in den Westen geflohen. Da Kaspar schon damals genau wusste, dass Birgit seine große Liebe ist, war er durchaus bereit, für sie in die DDR zu ziehen. Die beiden hatten sich auf einem Jugendtreff kennengelernt. Doch Birgit wollte weg, wollte die Freiheit, wollte so vieles hinter sich lassen. Was sie alles und wie viel sie zurückgelassen hat, erfahren wir, und auch Kaspar, erst nach Birgits Tod.

Doch mittlerweile sind vierzig Jahre seit der Flucht vergangen, das Land, das einst durch eine Mauer getrennt war, ist längst wiedervereint. Kaspar und Birgit vierzig Jahre verheiratet. Für Kaspar war Birgit immer seine große Liebe, immer, obwohl diese sich von ihm entfernte. Obwohl sie nie darüber sprach, was sie belastete, obwohl sie ihre Problem im Alkohol ertränkte.

Nach ihrem Tod erfährt Kaspar aus Birgits Notizen, dass diese, noch kurz vor ihrer Flucht eine Tochter entbunden hatte. Diese Tochter hat sie weggegeben, denn dieses Mädchen ist aus einer verlogenen Affäre entstanden und hätte Birgit die Chance gehabt, sie hätte dieses Kind nie bekommen.

Doch schnell stellt sich Reue ein und Birgit bedauert, was sie getan hat. All die Jahre stellt sie sich vor, dass es ihrer Tochter gut ergangen ist, dass sie es gut in dem Waisenhaus hatte. Nach der Öffnung der Mauer nimmt sie sich vor, nach ihr zu suchen,doch immer wieder verlässt sie der Mut.

Also begibt Kaspar sich auf die Suche, als Anhaltspunkt Birgits Freundin, die ihr bei der Entbindung geholfen hatte und zu der sie früher in Briefkontakt gestanden hat.

Er findet die Tochter, Svenja heißt sie und hat mittlerweile selber ein 14jährige Tochter namens Sigrun. Birgits Enkelin nennt Kaspar bald Großvater, sehr altmodisch.

Sigrun lebt mit ihren Eltern im Osten Deutschlands in einer völkischen Gemeinschaft, die den Holocaust mit all seinen Schrecken verleugnet. Sie eifern dem Idealismus der Nationalsozialisten nach und selbst die 14jährige Sigrun lebt diese Gesinnung.

Trotzdem versucht Kaspar mit viel Ruhe und Empathie eine Beziehung zu ihr aufzubauen, besorgt ihr Bücher (lesen hilft immer und er ist Buchhändler), sehr naiv in der Hoffnung, ihr doch noch die Augen zu öffnen.

Schlink erzählt all das in einem ruhigen, guten Ton, er wertet nicht, über keinen der Figuren. Er lässt all das so stehen.

Er überlässt es dem Leser zu werten.

 

Roman
Einband: Leinen
EAN: 9783257071818
Kategorie: Roman