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Julia May Jonas: Vladimir

von Rina Schölzel

Dieses Debüt macht Lust auf mehr.

Die namenlose Ich-Erzählerin ist Mutter einer erwachsenen Tochter, Schriftstellerin, Dozentin und Ehefrau. Sie und ihr Mann John hatten zu Beginn ihrer Ehe einige Grundsätze etabliert; Beide sollten sie weiterhin sexuell frei bleiben können, immer ginge die Ehe und die Familie vor, die Tochter sollte davon nichts mitbekommen. Aber die Freiheit, sein eigener Mensch mit einem eigenen Leben zu bleiben, die wollten sich die beiden geben. Und so kam es zu vielen Affären seitens John, meistens mit seinen Studentinnen, denn auch er unterrichtet an der Uni. Auch die Ich-Erzählerin schlief wann und mit wem sie mochte, wenn auch nicht so ausschweifend wie ihr Mann.

„.., dass mein Mann und ich eine stillschweigende Übereinkunft getroffen hatten, verheiratet, aber sexuell freizügig zu sein. Keine Fragen, keine Erklärungen, lediglich beiläufige Kommentare oder ein Nicken. Wir diskutierten nie darüber, gütiger Himmel, wer hätte Zeit für so etwas? Das wäre peinlich, kleinlich und ehrlich gesagt nicht unser Stil.“

An diesen Sätzen merkt man schon, wie resolut diese Frau durch´s Leben geht. Ihre Ehe mehr gemanaged, als gelebt zu haben, hat dazu geführt, dass sie John nun, da ihre Tochter ausgezogen ist, oftmals lästig findet, an ein Leben ohne ihn denkt und sich das gut ausmalen kann. Doch dann passieren zwei Dinge gleichzeitig.

Einige von Johns ehemaligen Studentinnen und Liebschaften melden sich bei der Uni, reißen einen MeToo-Krater auf, in dem sie John untergehen sehen wollen. Er steht mit dem Rücken zur Wand und die Unileitung will in einem Verfahren samt Anhörung über seine weitere Karriere entscheiden. Auch die Ich-Erzählerin wird mit in die Sache reingezogen, steht ihre Ehe doch plötzlich zur öffentlichen Diskussion und auch ihre Anstellung in Frage.

Zu dieser Zeit beginnen ein neuer Kollege und dessen Frau an der Universität zu arbeiten: Vladimir. Auch er ist Schriftsteller und spricht die Ich-Erzählerin auf einem Niveau an, das sie elektrisiert. Sein Buch ist fantastisch und sie rasend eifersüchtig, gleichzeitig bewundert sie ihn für seinen Intellekt, seinen Blick und seine Gewandtheit. Ihre kurzen Gespräche sind aufgeladen mit eloquenten Spitzfindigkeiten und einem unterschwelligen Reiz. Sie begehrt ihn. Seine Jugend, seinen Blick auf sie; wo John immer mit ihrem, allerdings nur mäßigen, Erfolg als Autorin haderte, da seine eigene Lyrik schmächlich unbeachtet blieb, taucht Vladimir in ihre Werke ein und kann mit ihren Gedanken auf Augenhöhe mithalten.

Und während ihr Ehemann sie gerade dringend an seiner Seite braucht, ihren Beistand, Zuspruch und ihre Anwesenheit, auch körperlich, sucht und erbittet, wedelt sie ihn weg wie eine lästige Fliege. Denn sie hat Vladimir im Sinn. Vladimir, den sie verführen wird.

Und wie sie das anstellt und wie das Ganze dann am Ende völlig anders ausgeht, als man denkt, das lesen Sie bitte selbst.

Aus dem Englischen von Eva Bonné

Roman
Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783896677310
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Kategorie: Roman

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